Hat der Chef noch etwas zu sagen? 3 Gründe warum Führungskräfte bei New Work gebraucht werden

Aktualisiert: Mai 9

Heute sind selbstorganisierte Teams aus der agilen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Doch braucht es dann noch Führungskräfte?

Meine Kollegin Gabriele H. Heinzelmann hat ihre Sichtweise in diesem interessanten Blogartikel dargelegt: Wenn der Chef nichts mehr zu sagen hat.


Selbstorganisierte Teams tragen die Verantwortung für die Ergebnisse, leiten Maßnahmen ein um die Strategie, die Ziele und die Anforderungen, die durch das Management grob vorgegeben werden, umzusetzen.


Wenn man das liest, stellt sich die Frage, was sind die Aufgaben einer Führungskraft in einem solchen System?


Nun, zunächst möchte ich die beiden Begriffe Führung und Führungskraft voneinander trennen.


Führung ist für mich ein Prozess, in dem Techniken angewandt werden, um mit anderen Menschen zusammen Ziele zu erreichen.


Gemäß der Definition von selbsorganisierten Teams findet Führung zum großen Teil innerhalb des Teams statt.


Eine Führungskraft hingegen ist eine Person, die führt, also Führungsaufgaben delegiert bekommen und übernommen hat.


Dies kann formal und hierarchisch organisiert und mit einem Amt versehen sein oder informell erfolgen. Informelle Führungskräfte gibt es mehr oder minder in jedem Team. Doch wie schaut es mit formalen Führungskräften aus?


Sicher wird New Work im Zusammenhang mit selbstorganisierten Teams den Trend zur schlanken Organisation fortsetzen. Dennoch bin ich überzeugt, dass es weiterhin in den meisten Bereichen formale Führungskräfte braucht, die ihre Macht aus der Hierarchie beziehen. Warum?


1. Manche Konflikte lassen sich nur durch Macht lösen.


Seit Friedrich Glasl wissen wir, dass Konflikte eskalieren können. Manchmal so weit, dass eine gemeinsame Konfliktlösung, selbst mit der Unterstützung eines Mediationsprozesses, nicht mehr möglich ist. Es braucht dann Menschen mit der Macht, die Konfliktparteien voneinander zu trennen.

Auch in selbstorganisierten Teams gibt es zwischenmenschliche Konflikte und manchmal auch welche, die miteinander unlösbar erscheinen. In solchen Situationen kann es hilfreich sein, die Führungskraft in die Lösungsfindung einzubeziehen.


2. Ein Team muss auch abliefern dürfen.


Damit Leistung entsteht, braucht es vier Faktoren: Können, Wollen, Sollen, Dürfen. Sehr oft zeichnen sich selbstorganisierte Teams durch hohe Motivation (Wollen) aus. Bei einer guten Teamzusammensetzung ist auch für das Können gesorgt. Für das Sollen sorgt der Auftraggeber, der ein Projekt oder Aufgaben an ein Team delegiert - häufig das obere Management oder ein Kunde. Doch benötigt das Team auch Kompetenzen und Ressourcen, um erfolgreich zu sein. Hier kommt die operative Führungskraft ins Spiel, die für das Team Ansprechpartner in Sachen Dürfen sein sollte. Das Team sollte sich in erster Linie um die erfolgreiche Leistungserbringung kümmern. Die operative Führungskraft wird zum Ressourcenmanager des Teams und kämpft im Namen des Teams für die notwendigen Budgets, Werkzeuge, Materialien, personelle Unterstützung, benötigte IT oder andere Ressourcen. In größeren Organisationen kann dies sehr zeitaufwendig und zermürbend sein. Aus diesem Grund erachte ich es als sinnvoll, diese Aufgabe außerhalb des Teams zu verankern. Die Führungskraft wird somit zum Befähiger (Enabler), indem er die Ressourcen beschafft, die für den Teamerfolg benötigt werden.


3. Berater, Mentor, Moderator und Coach


Menschen und somit auch Teams weisen in Bezug auf das, was sie können und was sie wollen, unterschiedliche Reifegrade auf. Viele von Ihnen kennen sicher die Teamuhr nach Bruce Tuckman (Forming, Storming, Norming und Performing). Für die Teamentwicklung kann es manchmal zielführend sein, einen Moderator und Coach zu haben, der geschickt durch den Prozess führt. Eine Führungskraft kann diese Rolle übernehmen.


Erfahrene und fachlich versierte Führungskräfte, die eine Organisation bereits seit vielen Jahren kennen und gute Beziehungen in diverse Bereiche unterhalten, können als Mentoren wertvolle Dienste für ein Team leisten. Sie können für die richtigen Kontakte sorgen, das Team in der Organisation durch passende Auftritte sichtbar machen und damit das Team auf die Erfolgsspur setzen.


Erfahrene und entsprechend ausgebildete Führungskräfte können zudem einem Team und jedem einzelnen Teammitglied als Berater oder Coach zur Seite stehen.


Führungskräfte werden auch zukünftig benötigt. Deren Rolle wird sich jedoch deutlich wandeln. Während Führungsaufgaben, wie Ziele definieren, Aufgaben delegieren, Entscheidungen treffen, für Informationen sorgen zunehmend durch Teams abgedeckt und auf der Ebene der Teammitglieder verhandelt werden, sind Führungskräfte - gerade auf der operativen Ebene (Teamleiter, Abteilungsleiter) - auch weiterhin als Konfliktmanager/Mediator, Ressourcenmanager und Enabler, Berater, Mentor, Moderator oder Coach gefragt.




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